Crowdinvesting & Kleinanlegerschutzgesetz

Der Begriff Crowdinvesting bezeichnet eine Finanzierungsform, bei der sich mehrere (Klein-)Anleger typischerweise an einem Unternehmen (Start-Up) beteiligen. Der Mindestinvestitionsbetrag ist dabei in der Regel so gering, dass sich zahlreiche Anleger gleichzeitig beteiligen. In letzter Zeit sind neben partiarischen Darlehen vermehrt auch Nachrang-Darlehen bei Immobilienprojektfinanzierungen vergeben worden.

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 63,8 Millionen per Crowdinvesting investiert (Quelle: Crowdinvesting Marktreport 2016), 63,1 Prozent flossen in Immobilienbeteiligungen. Anlagen unter einer Höhe von 2,5 Millionen Euro fallen laut aktueller Gesetzgebung nicht unter die Pflicht, ein aufwendiges Prospekt zu erstellen (Kleinanlegerschutzgesetz).

Grundsätzlich ist es sinnvoll, einen Regulierungssonderrahmen für junges Unternehmertum und neue oder kleine Projekte und Ideen bereitzustellen. Insofern war der Ansatz einer Privilegierung für solche Modelle durchaus begründet. Die Schwarmfinanzierung von jungen Unternehmen in den derzeit überschaubaren Volumina (2,5 Mio. EUR pro Anlagemöglichkeit) lässt sich aber offensichtlich wirtschaftlich kaum darstellen: Die Schwarmfinanzierungsplattformen sind gefordert, mit einem anspruchsvollen Due Diligence-Prozess (nur) die erfolgreichen Start Ups auszuwählen. Ausfälle sollten so dringend vermieden werden. Der Aufwand hierfür ist aber im Vergleich zu den geringen Ticketgrößen jedoch insgesamt eher unwirtschaftlich, da es nicht genügend qualifizierte Start Ups gibt. Vor diesem Hintergrund werden die Schwarmfinanzierungsplattformen derzeit vorzugsweise für Immobilien-Mezzanine-Finanzierungen genutzt. Durch die Gesamtgrößenreglementierung bilden Schwarmfinanzierungen in der Regel Teil-Bausteine der Gesamtfinanzierung ab, die zusätzlich
zu Erstrangkreditgeber und Eigenkapital eventuelle Finanzierungslücken schließt. Es handelt sich in den überwiegenden Fällen also um ein klassisches Mezzanine-Konstrukt im Nachrang, wie auch von der Befreiungsregelung gefordert. Hinzu kommt, dass diese Konstruktionen in zahlreichen Fällen im Themenfeld Projektentwicklungsfinanzierung angewendet werden.

Aus Sicht des ZIA ist es wenig nachvollziehbar, dass ein Nachrangfinanzierer hier Privilegien genießt, die ihm in der regulatorischen Handhabe seines Geschäftsmodells größere Freiheiten einräumen. Er trägt mehr Ausfallrisiken als die regulierte Bank und ist weniger transparent als ein öffentlich agierender Eigenkapitalgeber. Aus diesem Grund hat der Verband eine aktuelle Stellungnahme an die Mitglieder des Finanzausschusses im Deutschen Bundestag verschickt.

Stand: 19. April 2017

Kontakt

Roland Franke

Abteilungsleiter Finanzmarktregulierung und Steuern

Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.

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Sabine Georgi

Abteilungsleiterin Immobilien- und Kapitalmärkte

Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.

Tel.: +49 30 2021 585 24