Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes durch Baseler Ausschuss

Die immense Regulierungswelle hat die Verfügbarkeit von Fremd- und Eigenkapital stark verändert. Liquiditätsschwemme und Niedrigzinsumfeld überdecken derzeit die Verteuerung der Kreditvergabe. Dabei ist der deutsche Immobilienmarkt einer der stabilsten weltweit, beruhend auf vorsichtiger Bewertung, vergleichsweise niedrigen Beleihungsausläufen und langfristigen Festzinsdarlehen. Am 10. Dezember 2015 veröffentlichte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht das zweite Konsultationspapier zur Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes.

Im Rahmen des ersten Konsultationspapiers hatte der Baseler Ausschuss die aktuelle Behandlung von besicherten Immobilienkrediten in seiner Analyse als „nicht ausreichend und risikosensitiv“ bewertet. Die vom Baseler Ausschuss darin neu vorgeschlagene Umgruppierung von Immobilienfinanzierungen in die Kategorie "Spezialfinanzierungen" hätte zu einer Vervierfachung der Risikofaktoren auf 120 % bis 150 % geführt. Im zweiten Konsultationspapier wurde für Immobilienfinanzierungen eine eigene Kategorie „Immobilien“ geschaffen. Für Immobilienkredite stellt das im Ergebnis zwar eine Verbesserung gegenüber dem ersten Vorschlag dar, bedeutet jedoch insgesamt noch immer eine deutliche Schlechterstellung gegenüber dem Status quo, der für Darlehen für Wohnimmobilien ein Risikogewicht von 35 % und für Gewerbeimmobilien von 50 % vorsieht. In der Kategorie „Immobilien“ ist nun vorgesehen, dass danach unterschieden wird, ob die Immobilien selbstgenutzt oder vermietet sind. Überdies wird hinsichtlich der Risikogewichtung allein auf den Beleihungsauslauf abgestellt. Darüber hinaus wurde eine eigene Unterkategorie für Projektentwicklungen geschaffen, deren Risikogewicht 150 % betragen soll.

Unter anderem auf einem Treffen des Ecofin-Rats im Oktober 2016 wurden jedoch Stimmen laut, dass die europäischen Interessen stärker Berücksichtigung finden sollten. Ebenso äußerte sich Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), auf unserem 3. ZIA-Dialog Finanzen im November 2016 dahingehend, dass versucht werde, einen globalen Standard zu entwickeln. Sofern jedoch Teilbereiche der Branche damit eliminiert würden, seien die Basel-„IV“-Pläne nicht zustimmungsfähig. In der Folge führte dies zu einer Verschiebung des ursprünglich für November 2016 geplanten Abschlusses. Der Fortlauf wird ferner durch die politischen Entwicklungen in den USA beeinflusst. Ob bei der nächsten Sitzung des Baseler Ausschusses am 1. und 2. März 2017 eine Einigung erzielt werden kann, ist derweil ungewiss.

Für die Immobilienwirtschaft könnte insbesondere die geplante Erhöhung der Risikogewichtung für Wohn- und Wirtschaftsimmobilien negative Folgen haben, die dringend im politischen Diskurs berücksichtigt werden müssen. Denn während der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht über eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen abstimmt, wird an anderer Stelle über die Bezahlbarkeit von neuen Wohn- und Wirtschaftsimmobilien sowie die Energiewende in der deutschen Immobilienwirtschaft diskutiert. In der Praxis verlaufen diese Diskussionen gegeneinander und können konterkarierend aufeinander einwirken.

Nach Auffassung des ZIA ist die Bewertung von besicherten Immobilienkrediten durch den Baseler Ausschuss für Deutschland nicht angemessen. Es ist jedoch bislang keine länderspezifische Abmilderung vorgesehen. Die Kosten für neu gebaute Wohnungen und die Immobilienpreise würden weiter steigen. Der ZIA hat dies unter anderem im Rahmen der Konsultation an den Baseler Ausschuss adressiert und begleitet die Beratungen eng mit den entscheidenden Vertretern in Politik und Verwaltung und unterstützt das Positionspapier der CDU/CSU-Fraktion. Die Verzögerung sollte somit positiv zu bewerten sein.

Stand: 22. Februar 2017

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