Bedeutung der Immobilienbranche

Die Immobilienwirtschaft spielt sowohl für die Bundesrepublik Deutschland als auch für die Europäische Union eine bedeutende Rolle. Sie trägt zu erheblichem Teil zur Stärke und zum Wachstum der Wirtschaft bei und versorgt die Gesellschaft mit Lebens- und Arbeitsräumen.

Die Immobilienwirtschaft – wichtiger Wirtschaftszweig und Wachstumsmotor

Mit knapp 833.000 Unternehmen und rund 3,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist die Immobilienwirtschaft nicht nur einer der größten Wirtschaftszweige Deutschlands, sondern mit einer Zunahme an Beschäftigung und Wertschöpfung auch eines der dynamischsten Wachstumsfelder. Die Branche vereinigt über 25 % aller Unternehmen und knapp 10 % aller Beschäftigten auf sich. Mit über 600 Milliarden Euro trug die Immobilienwirtschaft 19 % zur gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland 2019 bei. Sie ist damit wesentlich größer als der Fahrzeugbau, dessen Wertschöpfung 2017 bei 156 Milliarden Euro lag. Die Immobilienwirtschaft ist zudem stärker und komplexer mit der Volkswirtschaft verwoben.

Immobilienwirtschaft bewirtschaftet das Vierfache des Bruttoinlandsproduktes

Das deutsche Nettoanlagevermögen in Wohn- und Nichtwohnbauten betrug 2018 rund 8,9 Billionen Euro. Davon entfielen 62 % auf Wohnbauten und 38 % auf Gewerbe- und Infrastrukturbauten. Zusammen mit den Grundstückswerten (4,4 Billionen Euro), summiert sich das gesamte Immobilienvermögen der Deutschen auf knapp 13,3 Billionen Euro. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands belief sich im Jahr 2018 auf knapp 3,3 Billionen Euro.

Belegt wird die große Bedeutung der Immobilienwirtschaft und ihre Verzahnung mit der Finanzwirtschaft auch dadurch, dass der Bestand an Darlehen für den Bau und Erwerb von Wohnungen im Jahr 2019 rund 1,5 Billionen Euro betrug – was rund 45 % des deutschen BIP entspricht.

Stabilisierende Funktion in Krisenzeiten

Eine Besonderheit des deutschen Immobilienmarktes im internationalen Vergleich ist seine große Stabilität. Deutschland weist von allen OECD-Staaten die geringsten Schwankungen bei Wohnimmobilienpreisen auf. Insbesondere in den Jahren der Finanzkrise hat die deutsche Immobilienbranche nachweislich stabilisierend gewirkt. In Anbetracht der engen gesamtwirtschaftlichen Verzahnung der Immobilienwirtschaft gewinnt diese Stabilität in Krisenzeiten eine außergewöhnliche Bedeutung.

Ein Grund hierfür ist das System der Immobilienfinanzierung in Deutschland. Festzinsen und hohe Eigenkapitalquoten sorgen dafür, dass die Immobilienpreise im Vergleich zu anderen Ländern weniger auf kurzfristige Zinsänderungen reagieren. Geprägt wird das deutsche Immobilienfinanzierungssystem auch durch den Pfandbrief. Der Pfandbrief gilt als außerordentlich sicheres Wertpapier und legt die Grundlage für langfristige Finanzierungen.

Darüber hinaus verfügt Deutschland über einen sehr großen und gut funktionierenden Mietwohnungsmarkt. Im Gegensatz zu Großbritannien oder den USA gibt es in Deutschland keinen Subprime-Markt, weil hierzulande Haushalte mit finanziellen Problemen keine teuren Kredite in Anspruch nehmen müssen, um sich ihre Wohnwünsche erfüllen zu können. Sie finden auf dem Mietwohnungsmarkt attraktive Alternativen zum Eigenheim.

Die Schlüsselrolle der Immobilienbranche für die EU

Aber auch auf europäischer Ebene nimmt die Immobilienbranche eine besondere Stellung ein. Gemeinsam mit 29 anderen Verbänden aus der gesamten Wertschöpfungskette der europäischen Immobilienwirtschaft hat der ZIA die Größe und die Bedeutung dieses Sektors analysiert und festgestellt, dass dieser auch für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft eine Schlüsselrolle einnimmt.

Immobilienwirtschaft nach weiter Definition (zzgl. Architekten, Planer, Kreditgeber, Berater und Bauunternehmen)
Bruttowertschöpfung 601 Mrd. Euro (2019)
Anteil an Gesamtwertschöpfung 19 % (2019)
Anzahl Unternehmen 833.000 (2018)
Anteil an allen Unternehmen 25 % (2018)
Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 3,3 Mio. (2019)
Anteil an allen Beschäftigten 10 % (2019)

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt (analog zu: IW Köln, IRE|BS Regensburg (2017): Wirtschaftsfaktor Immobilien)

Immobilienwirtschaft nach enger Definition (Vermittlung, Verwaltung, Handel und Vermietung) 

Bruttowertschöpfung

326 Mrd. Euro (2019)

Anteil an Gesamtwertschöpfung

11 % (2019)
Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 277.000 (2019)

Anteil an allen Beschäftigten

1 % (2019)

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt

Immobilienvermögen
Nettoanlagevermögen der Bauten 8,9 Bio. Euro (2018)
Nettoanlagevermögen der Wohnbauten 5,5 Bio. Euro (2018)
Nettoanlagevermögen der Nichtwohnbauten 3,4 Bio. Euro (2018)
Immobilienvermögen inklusive Grund und Boden 13,3 Bio. Euro (2018)

Quelle: Statistisches Bundesamt

Bauvolumen
Wohnimmobilien 244,6 Mrd. Euro (2019)
   - Neubau 78,5 Mrd. Euro (2019)
   - Bauleistungen am Bestand 166,1 Mrd. Euro (2019)
Nichtwohnimmobilien 110,1 Mrd. Euro (2019)
   - Neubau 44,4 Mrd. Euro (2019)
   - Bauleistungen am Bestand 65,7 Mrd. Euro (2019)

Quelle: DIW Bauvolumensrechnung

Transaktionsvolumen
Bebaute Grundstücke 269 Mrd. Euro (2018)
Wirtschaftsimmobilien 72,6 Mrd. Euro (2019)
   - Büro 39,9 Mrd. Euro (2019)
   - Einzelhandel 11,5 Mrd. Euro (2019)
   - Hotel 5,0 Mrd. Euro (2019)
   - Logistik 7,1 Mrd. Euro (2019)
   - Unternehmensimmobilien 3,1 Mrd. Euro (2019)
Wohnimmobilien 16,3 - 20,0 Mrd. Euro (2019)

Quellen: Gutachterausschüsse: Immobilienmarktbericht Deutschland 2019, ZIA Frühjahrsgutachten 2020, Spannbreite basierend auf Angaben von CBRE, JLL und Savills.

Mietaufkommen
Wohnungsmiete (nettokalt) 122 Mrd. Euro (2019)
Wohnungsmiete (bruttowarm) 161 Mrd. Euro (2019)
Gewerbemiete (nettokalt) 120 Mrd. Euro (2018)

Quellen: bulwiengesa (Berechnung auf Basis Vermögensbilanzen 2018), empirica (Berechnungen auf Basis Mikrozensus 2018)

Darlehensauszahlungen (Bau, Erwerb und Bauleistungen)
Wohnimmobilien 245 Mrd. Euro (2019)
   - Neubau 66,9 Mrd. Euro (2019)
   - Erwerb inkl. Bauleistungen 160,2 Mrd. Euro (2019)
Wirtschaftsimmobilien 69,3 Mrd. Euro (2018)

Quelle: vdp

Kreditbestand von Banken in Deutschland
Wohnungsbaukredite 1.213 Mrd. Euro (2019 Q4)
Kredite für gewerbliche Immobilien 376 Mrd. Euro (2019 Q4)

Quelle: Bundesbank

Kontakt

Dr. Michael Hellwig

Referent Marktbeobachtung und -forschung

Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.

Tel.: +49 30 2021 585 52