Gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Immobilienklima

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird jedes Jahr vom Immobilienweisen Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld im Rahmen des Frühjahrsgutachtens eingeschätzt. Für 2019 zeichnet sich ein allmählich schwindender Optimismus für die Immobilienwirtschaft ab, sodass über das Gesamtjahr mit allenfalls moderaten Zuwachsraten auf hohem Niveau gerechnet werden kann.

Die deutsche Volkswirtschaft geht angeschlagen ins Jahr 2019. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist im Jahr 2018 insgesamt nur um 1,5% gewachsen. Im Jahr 2019 dürfte daher eine geringere Wachstumsrate realisiert werden. Die Rezessionsrisiken sind gestiegen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt stellt sich nach wie vor erfreulich dar – der Beschäftigungsaufbau setzt sich fort. Im Jahr 2018 wurden erstmals mehr als 45 Mio. Erwerbstätige registriert. Das entspricht einem Anstieg von 1,3%. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt kräftig weiter. Seit dem Jahr 2013 steigt das verfügbare Einkommen kontinuierlich an. Das volkswirtschaftlich verfügbare Einkommen lag 2,2% über dem Niveau des Vorjahres.

Die Verbraucherpreise sind 2018 deutlich gestiegen. Im Mittel lag die Inflationsrate für den Verbraucherpreisindex (VPI) bei 1,9%. Die Inflationsrate für den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im Jahresdurchschnitt ebenfalls bei 1,9%. Die EZB kommt damit der geldpolitischen Zielgröße von knapp 2% sehr nahe. Zum Anstieg im Jahr 2018 hat die Entwicklung der Energiepreise maßgeblich beigetragen.

Die Kreditentwicklung ist weiterhin positiv. Die Finanzierungsbedingungen sind für alle Marktteilnehmer nach wie vor günstig. Die Banken haben ihre Standards (Kreditrichtlinien) im Jahr 2018 weiter gelockert. Insbesondere verringerten sie ihre Margen für durchschnittlich risikoreiche Unternehmens- und Wohnimmobilienkredite und Bonitäten. Die Kreditnachfrage des privaten Sektors erhöhte sich im Jahresverlauf. Am aktuellen Rand beläuft sich das gesamte Kreditvolumen auf mehr als 2.700 Mrd. Euro, der höchste bislang verzeichnete Wert. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB lässt erwarten, dass dieser Trend in näherer Zukunft anhalten und das Ausleihvolumen weiter steigen wird.

Der Leitzins im Euroraum notiert seit Frühjahr 2016 unverändert bei 0% und soll voraussichtlich über den Sommer 2019 hinweg weiter unverändert bleiben. Die Geldpolitik ist weiterhin stark expansiv. Sollte aber der Übergang zur normalen Geldpolitik zu spät kommen, besteht die Gefahr, dass die Inflation stärker steigt, es zu Fehlallokationen von Kapital kommt und die Finanzstabilität gefährdet wird.

Die deutsche Immobilienwirtschaft wird zunächst weiter von günstigen Finanzierungsbedingungen, einer guten Wirtschaftslage und einer hohen Nachfrage nach Wohnraum in Ballungsgebieten getragen werden. Trotz hoher Auftragsbestände zeichnet sich ein allmählich schwindender Optimismus ab, sodass über das Gesamtjahr mit allenfalls moderaten Zuwachsraten auf hohem Niveau gerechnet werden kann. Kapazitätsauslastungen und ein Mangel an Facharbeitskräften stehen einer kräftigeren Ausweitung vermehrt entgegen. Bauleistungen dürften sich dadurch zunehmend verteuern. Der Sachverständigenrat erwartet im Jahr 2019 einen Anstieg der realen Bauinvestitionen um 2,5%.

Sentiment-Indikatoren