Gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Immobilienklima

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird jedes Jahr vom Immobilienweisen Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld im Rahmen des Frühjahrsgutachtens eingeschätzt und auf die Immobilienwirtschaft bezogen. Lesen Sie hier die Zusammenfassung für das Jahr 2020:

Im Jahr 2019 ist die deutsche Wirtschaft mit einer Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6% gewachsen und hat damit erheblich an Dynamik verloren. Im dritten und vierten Quartal 2019 schrammte sie nur knapp an einer technischen Rezession vorbei. Kalenderbereinigt liegt das BIP-Wachstum voraussichtlich bei 0,5%. Für 2020 ist mit 0,9% eine höhere Zuwachsrate zu erwarten, allerdings nur aufgrund der besonders hohen Anzahl an Arbeitstagen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor robust: Die Zahl der Beschäftigten stieg im dritten Quartal 2019 im Vorjahresvergleich um weitere 0,8% und erreichte mit 45,4 Mio. den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Anzahl der Arbeitslosen stagniert bei rund 2,2 Mio. Menschen. Die Arbeitslosenquote stieg im Dezember 2019 geringfügig auf 4,9% an. Von Kurzarbeit wurde nur partiell Gebrauch gemacht und in einigen Regionen besteht Vollbeschäftigung.

Die Verbraucherpreise sind 2019 weniger stark gestiegen. Im Mittel lag die Inflationsrate für den Verbraucherpreisindex (VPI) bei 1,4%. Die Inflationsrate für den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im Jahresdurchschnitt ebenfalls bei 1,4%. Sie bleibt damit weiter hinter der geldpolitischen Zielgröße von knapp 2% zurück. Im November 2019 lag die Teuerungsrate des HVPI mit 1,2% im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich unter dem Zielwert.

Die Finanzierungsbedingungen im Euroraum bleiben äußerst günstig. Die ausgesprochen expansive Ausrichtung der Geldpolitik um den Hauptrefinanzierungssatz von 0,0% hält das gesamte Zinsumfeld niedrig. Das stützte die Konjunktur im Jahr 2019. Die Finanzmärkte rechnen mit langfristig sehr niedrigen Zinsen, denn zu einem Auslaufen der Anleihekäufe soll es erst kommen, wenn die (Kern-)Inflationsrate eine baldige Zinserhöhung rechtfertigen würde.

Die Banken ließen ihre Richtlinien der Kredite für den Wohnungsbau nahezu unverändert, während sie sie bei Unternehmenskrediten aufgrund der Gesamtkonjunktur und branchen- oder firmenspezifischen Situationen verschärft haben. Die Nachfrage nach Wohnungsbau- und Konsumentenkrediten durch private Haushalte stieg 2019 weiter dynamisch. Grund ist u.a. die Weitergabe der günstigen Refinanzierungsbedingungen in Form niedriger Zinsen. Das Kreditwachstum im privaten Sektor erreichte mit 1,1% in etwa den 5-Jahresdurchschnitt. Mit 2.840 Mrd. Euro lag das gesamte Kreditvolumen 4,8% über dem Vorjahresniveau. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB lässt erwarten, dass dieser Aufwärtstrend in näherer Zukunft anhalten wird.

Der Leitzins im Euroraum bleibt bei 0,0%. Das Zinsniveau dürfte im Jahr 2020 welt- weit weiterhin niedrig bleiben. Die US-Notenbank hatte zwar 2018 die geldpolitischen Zügel etwas gestrafft, ihren Zinskorridor aber 2019 wegen verschlechterter konjunktureller Aussichten wieder auf 1,50% bis 1,75% gesenkt. Die bisher zurückhaltenden Reaktionen der EZB auf Zinsveränderungen lassen erwarten, dass sie bei Zinserhöhungen weiterhin behutsamer agieren wird als die US-Notenbank.

Auf dem deutschen Immobilienmarkt ist eine Trendwende bei der Preisentwicklung weiterhin kaum absehbar. Allerdings gibt es erste Anzeichen für einen moderateren Anstieg als in den letzten Jahren. Wo eine hohe Nachfrage nach Wohnraum auf ein knappes Angebot stößt, dürften Mieten und Preise im Jahr 2020 dennoch weiter steigen, zumal die Finanzierungsmöglichkeiten günstig bleiben sollten und alternative Anlageformen gegenüber Immobilien unattraktiv erscheinen. In hochpreisigen Städten und Regionen verlagern sich Nachfrage und Preisdruck nach und nach ins Umland und in den ländlichen Raum. Vereinzelt kam es zu Überbewertungen und weitere Preisanstiege erhöhen das Potenzial für Korrekturen. Die Preise für das knappe Bauland und für Bauleistungen steigen nach wie vor stark. Maßnahmen der Politik haben oft kontraproduktive Wirkung. Förderungen, wie das Baukindergeld oder Möglichkeiten zur Sonderabschreibung, erhöhen den Druck auf die Preise weiter. Zusätzlich bremsen Mietpreisbremse und Mietendeckel nötige Investitionen.

Sentiment-Indikatoren