Zahlen, Daten, Fakten: Handelsimmobilien

Einzelhandelsimmobilien verfügen über eine große Bandbreite an unterschiedlichen Betriebsformen. Darunter zählen beispielsweise Fachgeschäfte/-märkte, Discounter, Shopping-Center, Warenhäuser und der Versandhandel. Die Entwicklung auf dem Markt für Handelsimmobilien wird jährlich im Rahmen des Frühjahrsgutachtens analysiert. Lesen Sie hier die Zusammenfassung für das Jahr 2020:

Das Konsumklima hat sich im Laufe des Jahres 2019 etwas abgekühlt. Die Konjunkturerwartung der Verbraucher hat sich eingetrübt, vornehmlich aufgrund der globalen Konjunkturschwäche, der Handelskonflikte und der Sorge um den Brexit. Auch die Einkommenserwartung ist im Laufe des Jahres gesunken. Auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt die konjunkturelle Schwäche ihre Spuren und das Beschäftigungswachstum verliert an Dynamik, vor allem in exportorientierten Branchen und in der Zulieferindustrie. Stellenstreichungen wurden dort angekündigt oder bereits durchgeführt. Trotz dieser Unsicherheitsfaktoren blieb die Anschaffungsneigung der Verbraucher 2019 relativ stabil. Die Verbraucher sehen in Aussicht auf Negativzinsen wenig Sinn im Sparen und sind weiterhin in Kauflaune.

Der Einzelhandel profitiert von der ungebrochenen Konsumfreude, allerdings nicht auf breiter Front. Viele große Filialisten sind zwar weiterhin expansiv und möchten die Anzahl der Filialen erhöhen, andere möchten aber ihre Filialnetze eher ausdünnen. Letzteres betrifft die Anbieter von Schuhe und Accessoires, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation sowie Bekleidung. Die starke Expansion vergangener Jahre mit zu groß gewordenen Filialnetzen, Onlinehandel, Konkurrenz durch erfolgreiche in- und ausländische Konzepte und der Wandel der Konsum- und Kommunikationsgewohnheiten machen sich bemerkbar.

Am Investmentmarkt für Einzelhandelsimmobilien wurden 10,1 Mrd. Euro im Jahr 2019 investiert. Das Transaktionsvolumen hat sich im zweiten Jahr in Folge verringert, mit einem Rückgang um 4,1% im Vergleich zum Vorjahr immerhin deutlich langsamer. Einzelhandelsimmobilien sind weiterhin die drittbegehrteste Anlageklasse nach Büro- und Wohnimmobilien mit einem Anteil von 12%. Objekte in den besten Lagen der großen Städte bleiben Mangelware. Das Transaktionsvolumen der fünf größten A-Städte fiel erstmals seit 2010 wieder unter die 2-Mrd.-Euro-Marke. Fachmärkte und Fachmarktzentren blieben mit 44% des Transaktionsvolumens das dynamischste Segment. Vor allem lebensmittelgebundene Objekte profitieren von ihrer E-Commerce- Resilienz und sind weiterhin stark nachgefragt. Gegenüber 2018 ist der Anteil von 1A-Einzelhandelsimmobilien in Einkaufsstraßen 2019 deutlich von 37% auf 28% zurückgegangen, obwohl wie im Vorjahr auch 2019 großvolumige Kaufhausübernahmen stattfanden. Der Anteil der Shoppingcenter stieg von 14% auf 17% leicht an. Vor allem an B-Standorten wurden diese wieder verstärkt gehandelt.

Bei den Renditen gab es 2019 nur wenig Veränderungen: Die Spitzenrendite von 1A-Einzelhandelsimmobilien in den sieben A-Städten stiegt um +0,06% auf 3,12%. Die Shoppingcenter-Renditen legten um 0,2 Prozentpunkte auf 4,0% zu, in B-Lagen stiegen sie um 0,5 Prozentpunkte auf 5,0%. Bei Fachmärkten und Fachmarktzentren (4,15%) gab es einen marginalen Rückgang um 0,1 Prozentpunkte.

Die Umsätze im Onlinehandel steigen weiter. Zumindest für alle deutschen A-Städte wird dennoch für 2020 ein wachsender stationärer Einzelhandelsumsatz prognostiziert. Insbesondere die klassischen Nahversorger sind äußerst expansiv unterwegs. Die Top 3 der Einzelhandelsstandorte sind Berlin gefolgt mit einigem Abstand von München und Hamburg. Ein anderes Bild ergibt das Ranking nach dem Tax-Free-Umsatz. Hier liegt München mit 24% am deutschen Tax-Free-Umsatz an erster Stelle, gefolgt von Frankfurt am Main mit 18,2% und Berlin mit 15,9%. Die beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands befinden sich in München, Köln und Düsseldorf.