Novellierung der Energy Performance Building Directive

Das Europäische Parlament hat im April 2018 der überarbeiteten Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zugestimmt. Die neuen Vorschriften sollen darauf abzielen, Gebäude „intelligenter“ und energieeffizienter zu machen. So soll die Gebäuderichtlinie finanzielle Einsparungen ermöglichen und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze im Renovierungs- und Bausektor beitragen.

Die Abstimmung markiert den Abschluss der Verhandlungen zum ersten von acht Legislativvorschlägen, die die Europäische Kommission im Rahmen des Pakets Saubere Energie für alle Europäer am 30. November 2016 vorgelegt hatte. Die vereinbarten Änderungen zielen unter anderem darauf ab, bestehende Gebäude schneller mit energieeffizienten Anlagen nachzurüsten und die Energieeffizienz neuer Gebäude durch den Einbau „intelligenter“ Systeme zu verbessern.

Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, langfristige Sanierungsstrategien zu entwickeln und konkrete Meilensteine zu definieren, um den Gebäudesektor bis 2050 zu dekarbonisieren. Übergeordnetes Ziel der Revision ist es, das große Potential für Energieeinsparungen im Gebäudesektor zu erschließen, auf den 40 % des Primärenergieverbrauchs in der EU entfallen.

Die Revision ist grundsätzlich positiv zu bewerten, insbesondere die größeren Schwerpunkte auf Gebäudeautomation und Betriebsoptimierung. Die Maßnahmen müssen auf den Grundsätzen der Freiwilligkeit beruhen dürfen nicht durch Verpflichtungen im Ordnungsrecht ausgeführt werden. Auf folgende Punkte wird besonders hingewiesen:

Regelungen zur Energieeinsparung

  • Prinzipiell hält die EPBD am Primärenergiebedarf eines Gebäudes als Leitgröße fest. Ergänzend wird den Nationalstaaten erlaubt, andere Indikatoren wie CO2-Emissionen oder Endenergiebedarf in die Rechtsetzung aufzunehmen. Aus Sicht des ZIA sollte sich das Energieeinsparrecht mittel- bis langfristig am CO2-Ausstoß der Gebäude orientieren. Beim Primärenergiefaktor wurde explizit die Möglichkeit aufgenommen, gelieferte erneuerbare Energie und vor Ort erzeugte erneuerbare Energie anzurechnen. Das begrüßen wir sehr.
  • Die Einbindung aller Sektoren in den EU-ETS könnte eine effiziente Alternative zu Regelungen, die sich am Gebäude orientieren, darstellen. Wahrscheinlich würde dies zu den volkswirtschaftlich günstigsten Kosten führen.

Elektromobilität

  • Als Neuerung gegenüber dem aktuellen Rechtsrahmen enthält die überarbeitete Richtlinie Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität. Konkret soll in neuen oder umfassend renovierten Nichtwohngebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen mindestens eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge geschaffen werden. Neue oder grundlegend renovierte Wohngebäude mit mehr als zehn Parkplätzen sollen mit gewissen Ausnahmen (insbesondere Bedingung: Maximaler Anteil von 7 % an den Gesamtkosten) Ladeinfrastruktur an allen Parkplätzen erhalten.Grundsätzlich ist der Vorstoß zu begrüßen, das Angebot an E-Ladestationen zu verbessern und den Ausbau der Infrastruktur für klimafreundliche Mobilität zu verstärken. Es dürfen jedoch keine finanziellen Mehrbelastungen für die Immobilienwirtschaft entstehen, zumal die Schaffung der infrastrukturellen Rahmenbedingungen Aufgabe des Verkehrs- und Mobilitätssektors ist. Vor diesem Hintergrund ist die Abschwächung der ursprünglichen Forderung der Kommission nach verpflichtendem Einbau von E-Ladestationen hin zur technikoffenen und vorbereitenden Verlegung von Leerrohren zu begrüßen.
  • Für Wohngebäude gilt die Pflicht zum Einbau von Leerrohren zur einfachen Nachrüstung von Lademöglichkeiten. Dies gilt für Gebäude mit mehr als zehn Parkplätzen im oder am Gebäude und im Modernisierungsfall nur dann, wenn auch die Parkplätze oder die Elektroinstallation des Gebäudes eine wesentliche Modernisierung erfährt.
  • Diese Regelung wird ausdrücklich begrüßt, da Fehlinvestitionen vermieden werden. Auf Grund der Preissituation bei Elektrofahrzeugen ist derzeit nicht absehbar, ob die Mieterklientel in näherer Zukunft einen Wechsel der Fahrzeugflotte in größerem Umfang vornehmen kann.

Intelligenzfähigkeit von Gebäuden und Automatisierung

  • Es soll ein sog. Intelligenzfähigkeitsindikator (Smart Readiness Indicator) eingeführt werden. Anhand dieses Indikators kann die Fähigkeit von Gebäuden zu einem energieeffizienten Betrieb bewertet und diese an das Verhalten der Bewohner angepasst werden. Auch die Bewohner sollen in die Lage versetzt werden, einen Beitrag zur Laststeuerung sowie zum optimalen, reibungslosen und sicheren Betrieb zu leisten. Die gesammelten Daten sollen in einer Datenbank erfasst werden. Hierdurch kann die Verfügbarkeit von Daten im Gebäudebereich, insbesondere zur Energieeffizienz, verbessert werden. Der freiwillige Indikator und der Aufbau einer transparenten Datenbank als Teile eines Monitoringsystems sind ein positiver Ansatz, um die Potentiale in den Bereichen Monitoring, Betriebsoptimierung und Benchmarking besser ausschöpfen zu können.
  • Es gilt, hier an sensiblen Stellen den notwendigen Datenschutz nicht zu vernachlässigen.Der übergreifende Gedanke der Vernetzung von Gebäuden und deren Technik erlaubt es, Energiesysteme zu optimieren und ist prinzipiell zu begrüßen. Insgesamt muss das Thema Informationssicherheit / IT-Sicherheit mehr Berücksichtigung finden. Es muss ein Umdenken dahingehend erfolgen, dass nicht mehr wahllos vorhandene Technik mit dem Internet verbunden wird. Ältere Gebäudeleittechnik und einfache Elektronikgeräte werden damit dem Internet (nahezu) schutzlos preisgegeben, da sie hierfür nicht entwickelt wurden. Mit zunehmender Vernetzung wird eine kritische Masse an potentiell manipulierbaren Geräten erreicht. Daher muss vernetzte Technik sicher vor Angriffen und resilient im Zusammenspiel mit anderen Komponenten funktionieren.
  • Der Einsatz intelligenter Technologien und die Integration erneuerbarer Energien zur Anpassung und Reduzierung des Energieverbrauchs soll als integraler Bestandteil zukünftiger intelligenter Gebäude von den Mitgliedstaaten gefördert werden. Der Einsatz von Energiemanagementsystemen und „mitdenkenden“ Automatisierungstechniken ist zu begrüßen. Die Systeme helfen, den Betrieb von Gebäuden entsprechend der tatsächlichen Nutzung laufend zu optimieren und damit den Energieverbrauch zu reduzieren. (Bsp.: Implementierung eines intelligenten Monitoringsystems der entstehenden CO2-Emissionen als Anreizsystematik auf Grundlage des ZIA-Leitfadens „Nachhaltigkeitsbenchmarking“).
  • Inspektionen von Heizungs- und Klimaanlagen sollen vereinfacht werden. Den Mitgliedstaaten soll die Verantwortung für die konkrete Ausgestaltung von Inspektionsmaßnahmen und deren Häufigkeit übertragen werden. Es wird weiterhin erlaubt sein, Automatisierungssysteme durch Alternativen wie Beratungen zu ersetzen.

Mobilisierung öffentlicher und privater Investitionen

  • Positiv gesehen wird auch die beabsichtigte Mobilisierung öffentlicher und privater Investitionen für die energetische Sanierung. Die Europäische Investitionsbank (EIB) will ein neu konzipiertes Finanzierungsprogramm für den privaten Wohnungsbau auflegen und 970 Millionen Euro für Stadtentwicklungsprojekte bereitstellen. Ziel ist es dadurch, im Rahmen der EU-Initiative "Smart Finance for Smart Buildings" bis 2020 europaweit zehn Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Energieeffizienz-Investitionen auszulösen Wie dieses Finanzinstrument konkret aussehen soll, ist noch offen. Allerdings plant die Bank, die Investitionen aus öffentlicher wie privater Hand mit EU-Zuschüssen als Garantien abzusichern, um Ausfallrisiken zu minimieren.

Definition nationaler Niedrigstenergiegebäudestandard 2019/2021

  • Die EPBD beinhaltet u. a., dass die Mitgliedstaaten bis 31.12.2018 einen verpflichtenden Niedrigstenergiegebäudestandard von Nichtwohngebäuden im öffentlichen Besitz bzw. bis 31.12.2020 für alle Gebäude festlegen müssen.
  • Im Erwägungsgrund 6 zur EPBD ist formuliert: „Member States should seek a cost-efficient equilibrium between decarbonising energy supplies and reducing final energy consumption.“ Nach allen Erfahrungen aus der Anwendung des anspruchsvollen Energieeinsparrechts in Deutschland sehen wir die Grenze erreicht.
  • Der ZIA fordert, die aktuell gültigen Anforderungen für den Neubau im Energieeinsparrecht (EnEV 2016) als den von der EPBD geforderten nationalen Niedrigstenergiegebäudestandard zu definieren.

Die Mitgliedstaaten haben ab Inkrafttreten 20 Monate Zeit, die neuen Bestimmungen der Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

 

Kontakt

Philipp Matzke

Senior Referent Energie- und Klimaschutzpolitik, Gebäudetechnik

Tel.: +49 30 2021 585 47