CSR-Newsletter – Ausgabe 01 | 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

dass Nachhaltigkeit auch bedeutet, die geschaffenen Werte zu schützen, zeigt sich nicht nur in der Qualität des Verhaltens- bzw. Ethikkodex eines jeden Unternehmens. Oder gibt es bei Ihnen schon einen „Wertekompass“ für die Digitalisierung? Big Data bietet faszinierende Optionen im Nachhaltigkeitsmanagement, beinhaltet jedoch zeitgleich eine ebenso große Verantwortung. Erfahren Sie im Artikel Corporate Digital Responsibility, welche Bedeutung „Don’t be evil“ bei den Mitarbeitern von Google erlangt hat.

Big Data wird es auch benötigen, wenn die ökologische Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft die gesteckten Ziele erreichen soll. Allein die Verantwortung der Immobilienbranche für rund 36% der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland zeigt, dass hier noch ein langer Weg zur Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks beschritten werden muss. Die Herausforderungen kann die Immobilienwirtschaft nur bewältigen, wenn gemeinsam neue Lösungen erarbeitet werden. Lassen Sie die guten Ideen, Einschätzungen und das Interview auf sich wirken, um mit neuen Ansätzen gestärkt in das Jahr 2020 zu starten.  
 
Viel Spaß beim Lesen,

Ihr Marcus Kohnke
Nachhaltigkeitsmanagement, Deka Immobilien Investment

Nach oben

Miteinander reden – die Wohnungswirtschaft steuert gemeinsam in Richtung klimaneutrale Zukunft

Jonathan Przybylski
Referent für Nachhaltigkeit, Vonovia SE

Egal ob Initiative Wohnen.2050 (IW.2050), Runder Tisch des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV) oder Klimakonferenz von Vonovia: In der Wohnungswirtschaft wächst die Bereitschaft, sich gemeinsam über Klimaziele, deren Sozialverträglichkeit und über den Weg dorthin auszutauschen. Alle drei Ansätze verfolgen ein Ziel – nämlich die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

So auch die jüngst auf Initiative der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt und unter Mitwirkung des GdW gegründete IW.2050. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss von 24 Unternehmen der Wohnungsbranche mit rund 1.050.000 Wohneinheiten. Ganz im Sinne des 17. Nachhaltigkeitsziels („Partnerschaften“) der Vereinten Nationen, vereint sie geballtes Know-how und setzt auf den Open-Source-Ansatz. Lösungen und Tools für die ressourcensparende Entwicklung von unternehmensspezifischen Wegen zur Klimaneutralität werden in der IW.2050 gemeinsam erarbeitet und ausgetauscht.

Auch die Dialoginitiative „Neue Impulse zum nachhaltigen Klimaschutz im Gebäudebestand“ des DV und des Instituts Wohnen und Umwelt geht in dieselbe Richtung. Über einen Runden Tisch sollen hier die Anforderungen an Quartiersansätze diskutiert und konkrete Handlungsansätze erarbeitet werden.

Als dritter Ansatz kommt die von Vonovia im November 2019 ins Leben gerufene Fachkonferenz „Perspektiven klimaneutralen Wohnens“ ins Spiel. Gemeinsam mit verschiedenen Fraunhofer Instituten und der Deutschen Energieagentur diskutierten hier Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wohnungswirtschaft sowie Politik und Gesellschaft zu der Frage, wie klimaneutrales Wohnen sozialverträglich gestaltet werden kann. In Arbeitsgruppen werden die Ergebnisse derzeit weiter vertieft, um am 28. Mai 2020 in Berlin auf einer weiteren Konferenz (mehr in Kürze unter www.vonovia.de/klimakonferenz) erneut in den Dialog zu treten.

Drei Ansätze – ein Ziel! 2020 könnte damit ein spannendes Jahr für die Wohnungswirtschaft werden. Und ein fruchtbares, mit Blick auf die Entwicklung wirklich tragfähiger Lösungsvorschläge, noch dazu. Das meint auch Rolf Buch, CEO von Vonovia: „Damit wir die Klimaneutralität erfolgreich umsetzen und bezahlbares Wohnen und Klimaschutz sozial gestalten können, muss die gesamte Branche neue Lösungsansätze finden und mit einer Stimme sprechen.“ Miteinander wieder mehr zu reden, ist ein hoffnungsvoller Auftakt dafür.

Nach oben

Corporate Digital Responsibility – der nächste Begriff im Buzzword-Bingo?!

Dr. Simon Weihofen  
Senior Program Manager | Sustainability Office, ista International GmbH

Ich muss zugeben, dass ich mit den Augen rollen musste, als ich den Begriff „Corporate Digital Responsibility“ das erste Mal gelesen habe. „Die Begriffe der Corporate Responsibility und der Digitalisierung finden bereits viel zu inflationär Verwendung und jetzt mischt man diese Begriffe noch ineinander!“ – Das war zumindest mein erster Gedanke, als ich die Einladung zum gleichnamigen Workshop des UPJ e.V. im Oktober 2019 las. Allerdings erschien es mir auch logisch, dass mit fortschreitender Digitalisierung auch Unternehmen über ihre Verantwortung diesbezüglich nachdenken müssen. Neben der Grundlagen und praktischen Übungen zum Thema sollte es im Deloitte Digital Office in Berlin auch um Best Practice Beispiele aus dem UPJ-Netzwerk geben – viele Gründe also um mich auf den Weg zu machen und am Workshop teilzunehmen.

Warum ist Corporate Digitial Responsibility (CDR) relevant für Unternehmen?

Der mit der Digitalisierung verbundene technologische Fortschritt birgt neben vielen Vorteilen und Chancen auch jede Menge Nachteile und Risiken. Ein Beispiel von vielen ist die Spracherkennung, die durch künstliche Intelligenz enorme Fortschritte gebracht hat. Dank immer besserer Spracherkennung können Computer bspw. auch von Kindern oder Legasthenikern bedient werden, was eine gesteigerte Teilhabe ermöglicht und eine inklusivere Gesellschaft verspricht.

Der technologische Fortschritt bringt allerdings auch Schattenseiten mit sich. So veröffentlichte die Bundesnetzagentur in 2017 eine Warnung vor der Puppe „My Friend Cayla“ und riet Eltern diese Puppen zu entsorgen, da sie in der Lage waren, Ton- und Bildmitschnitte aus Kinderzimmern zu senden. "Gegenstände, die sendefähige Kameras oder Mikrophone verstecken und so Daten unbemerkt weiterleiten können, gefährden die Privatsphäre der Menschen. Das gilt auch und gerade für Kinderspielzeug. Die Puppe Cayla ist verboten in Deutschland" ließ sich Jochen Homann, Präsident der Bundessnetzagentur, im Februar 2017 zitieren (Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/14012017_cayla.html). In diesem Fall konnten die Behörden einschreiten, jedoch ist nicht jeder Fall so eindeutig. Es stellt sich allerdings die Frage, wie eine Firma solch ein Produkt überhaupt auf den Markt bringen konnte. Die eigentliche Idee dieses Produkts lag darin, dass sich Kinder mit der Puppe unterhalten können. So wurde die Puppe in 2014 auch vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels als „Top 10 Spielzeug des Jahres“ ausgezeichnet (Quelle: http://www.top10spielzeug.de/Top10-Spielzeug-Preistraeger/Preistraeger-2014/My-friend-Cayla). Die Puppe ist somit ein logisches Produkt der Fortschritte in der Spracherkennung. Doch nicht alles, was durch Digitalisierung möglich ist, ist auch gesellschaftlich akzeptiert und gewünscht. Hierin liegt die Herausforderung für Unternehmen, die sich mit Corporate Digital Reponsibility zusammenfassen lässt.

CDR als „Wertekompass“ für die Digitalisierung

Ob die Digitalisierung mehr Vorteile (z.B. verringerte Umweltauswirkungen, bessere Arbeitsbedingungen, höhere Wertschöpfung, inklusive Gesellschaft, Transparenz, etc.) als Nachteile (abgehängte Menschen, zusätzliche Ressourcenverbrauch durch mehr Konsum, weniger Sicherheit, Einschnitte in Persönlichkeitsrechte, militärische Zweckentfremdung, etc.) bringt, hängt zum einen natürlich von dessen Regulierung durch den Gesetzgeber ab. Zum anderen müssen Unternehmen sich über ihre digitale Verantwortung bewusst werden und diese erkennen. Letztendlich verbirgt sich hinter CDR nichts anderes als der „Wertekompass“ hinter der Digitalisierung. Welche Werte müssen Unternehmen achten? Wie stellt ein Unternehmen sicher, dass es diese Werte einhält?

Unternehmen müssen nicht nur grundlegende Werte wie „Umweltschutz“, „Transparenz“, „Privatsphäre“ oder „Sicherheit“ für sich definieren, sondern auch die Auswirkung der eigenen Produkte und Dienstleistungen auf diese Werte verstehen. Eine weitere Herausforderung besteht in der Implementierung dieser Bewertung in die Entscheidungen bspw. in Produktentwicklungsprozessen oder der (Digitalisierungs-)strategie von Unternehmen.

Ein Beispiel für eine eher allgemeine Implementierung bietet Google, das seit 2000 das Motto „Don’t be evil“ ausgegeben und im Code of Conduct verankert hatte. Im April 2018 wurde dieser Satz aus dem Code of Conduct gestrichen, was zu Protesten von Mitarbeitern führte. Schließlich wurde er einen Monat später wieder im letzten Satz eingeführt, in dem es heißt: „And remember… don't be evil, and if you see something that you think isn't right – speak up!".

Nach oben

Sustainable Finance

Dr. Fabian Lander
Head of Corporate Finance & Sustainability, Volkswagen Immobilien GmbH

Melanie Linke
Corporate Finance & Sustainability, Volkswagen Immobilien GmbH

Sustainable Finance und eine nachhaltige Finanzmarktpolitik sind ein wichtiger Hebel, um die Transformation zu einer klimaneutralen Realwirtschaft zu flankieren. Dem Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 folgend, wird unter „Sustainable Finance“ die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten (ESG-Kriterien) bei Finanzierungsentscheidungen verstanden.

Auf europäischer Ebene ist der Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ der EU-Kommission zu nennen. Dieser beinhaltet unter anderem die Ausarbeitung einer Taxonomie zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Wirtschaftsaktivitäten, Offenlegungspflichten von Nachhaltigkeitsfaktoren für institutionelle Investoren und Standards für grüne Anleihen (Green Bonds), auf welche im Folgenden näher eingegangen wird.

In Deutschland tragen Immobilien zu rund 36% der gesamten CO2-Emissionen bei, wobei dem Gebäudebereich 14% der gesamten CO2 direkt zugeschrieben werden.
Im Jahr 2030 dürfen im Gebäudesektor noch höchstens 72 Mio. t CO2 emittiert werden. Dies entspricht einem Rückgang von 39% zum Jahr 2018. Um diese ambitionierten Ziele zu erreichen, sind zusätzliche, wirkungsvolle Maßnahmen notwendig, die Investitionen in den Gebäudebereich lenken.

Im Mai 2018 hat Volkswagen Immobilien GmbH als erste deutsche Immobiliengesellschaft ein Green Bond Programm aufgesetzt und konnte bislang zwei Transaktionen erfolgreich platzieren. Der innovative Ansatz bei der Projektauswahl und -bewertung wurde im Februar 2019 mit dem Immobilienmanager Award in der Kategorie „Finanzierung“ ausgezeichnet.

Im Juni 2019 hat die Europäische Kommission den Entwurf eines EU Green Bond Standards nebst Taxonomie vorgestellt. Mit der Taxonomie wird erstmals eine Definition für „grüne Projekte“ gegeben. Gemäß der Taxoxomie müssen geeignete Projekte  auf eines von sechs Umweltzielen einzahlen, ohne einem anderen Umweltziel dabei wesentlich zu schaden (Do no significant harm). Für die Immobilienwirtschaft wird vor allem auf den Neubau, die Modernisierung und die Akquisition von Immobilien Bezug genommen.

Gemäß der Minimalanforderung sind Immobilien grün, wenn sie zu den TOP15% der energieeffizientesten Gebäude eines lokalen Marktes gehören, jedoch gibt die Taxonomie keine Rückschlüsse zum Umgang mit dem 15%-Cluster während der Laufzeit eines Bonds oder des Emissionszeitpunktes. Neben der Minimalanforderung werden ambitionierte Schwellwerte definiert, die es zu erfüllen gilt: für den Neubau ein Near-Zero-Building-Standard (NZEB) sowie die Energieeffizienzklasse B und bei Modernisierungen eine zu erzielende Einsparung von 30%.

Dies ist insofern relevant, da sich ein Near-Zero-Building-Standard bisher noch nicht in allen EU-Staaten, darunter auch in Deutschland, etabliert hat. Für Deutschland ist bisher unklar, ob es sich hierbei um die EnEV2016, die im GEG aufgehen wird, oder den KfW-55-Standard handelt. Sollte der KfW-55-Standard maßgeblich sein, so ist zu konstatieren, dass dieser im gewerblichen Bereich eher die Ausnahme als die Regel darstellt.

Bei der Energieeffizienzklassensystematik ist festzuhalten, dass diese bezogen auf die Endenergie stark innerhalb der EU-Mitgliedstaaten variieren. Eine Vergleichbarkeit innerhalb der EU Mitgliedstaaten ist somit ausgeschlossen. In Deutschland gibt es die Energieeffizienzklassensystematik nur für wohnwirtschaftliche und nicht für gewerbliche Immobilien.

Mit Blick auf die gewählten und ambitionierten Schwellenwerte scheint es, als ob der Fokus des EU-GBS auf Modernisierungsmaßnahmen liegen würde. Allerdings bleiben bei Modernisierungsmaßnahmen KfW Förderprogramme erste Wahl und sind i.V. zu Green Bonds ökonomisch alternativlos. Wie ambitioniert die Schwellenwerte sind, bestätigt eine Analyse von CICERO, einem führenden Nachhaltigkeits-Forschungsinstitut. Nach dieser Studie entsprechen 67% der untersuchten GB-Framework nicht dem EU-GBS. Ob das Ziel, die Investitionslücke von 175 bis 290 Milliarden Euro zu schließen, über den Sustainable Finance Ansatz erreicht und der EU-GBS sich als Marktstandard durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.

Nach oben

Certified Sustainable Housing-Label öffnet Wohnungsmarkt für Impact Investing

Dr. Mathias Hain
Geschäftsführer, Ritterwald Unternehmensberatung GmbH

Nachhaltig investieren – aber wo?

Greta Thunberg und ihre Fridays For Future Bewegung rückten 2019 die Themen Nachhaltigkeit sowie Klima- und Umweltschutz in den weltweiten Fokus. Die Themen wurden schlagartig en vogue, nachdem sie zuvor zwar stetig aber nur langsam an Dynamik gewonnen hatten. Diese neue Dynamik erfasste auch die Finanzmärkte. Die ersten Impact Investing Bonds legten 2007 und 2008 die Europäische Investitionsbank bzw. die Weltbank auf. In den nachfolgenden Jahren waren es zumeist staatlich geförderte Institutionen, die GSS-Bonds (Green, Social & Sustain-able Bonds) emittierten. 2019 kam es – begleitet von einen 33%-Marktwachstum – vermehrt zu Emissionen von Unternehmensanleihen (u.a. E.on und Otto Group). Doch noch besteht immer noch eine große Diskrepanz zwischen der Nachfrage und dem Angebot solcher GSS-Bonds. Der Mangel passender Anlagemöglichkeiten verhindert aktuell ein noch stärkeres Marktwachstum.

Wohnungsgesellschaften als Ziel von Impact Investing

Wohnungsunternehmen könnten diese Lücke teilweise füllen. Ihre Arbeit hat direkten Einfluss auf das Wohlbefinden ihrer Mieter und die nachhaltige Entwicklung der Quartiere. Durch große Bauprogramme tragen sie zudem dazu bei, den Wohnraummangel zu reduzieren und die Wohnungskrise einzudämmen. Energetische Sanierungen bei den älteren, tlw. sehr großen Wohnungsbeständen bieten signifikante Einsparpotenziale bei den CO2-Emissionen. Sowohl mit dem Bestandswachstum als auch den Energieeffizienzmaßnahmen geht ein großer Finanzierungsbedarf einher. Dennoch war der Kapitalmarkt für GSS-Bonds für Wohnungsunternehmen bisher kaum zugänglich, da bisher ein Standard zur Zertifizierung fehlte, der ihre soziale und ökologische Bedeutung gegenüber den Investoren transparent und nachvollziehbar belegt. Zwar konnte Volkswagen Immobilien 2018/2019 durch die Ausgabe von Green Bonds 150 Mio. EUR einwerben, die Mittel waren jedoch zur Verwendung auf unter 2% des Wohnungsbestandes beschränkt.

Standardisierung mit dem Certified Sustainable Housing-Label

RITTERWALD hat in einer fast zweijährigen Kooperation mit vier europäischen Wohnungsgesellschaften Bewertungskriterien zur Messung des grünen und sozialen Impacts von Wohnungsunternehmen entwickelt – die Basis für das Certified Sustainable Housing Label. Ergebnis ist eine transparente, belastbare und durch externe Prüfung abgeschlossene Zertifizierung, die jährlich evaluiert wird. Das Label öffnet damit Wohnungsgesellschaften in ganz Europa, die sich nachhaltig sozial und ökologisch engagieren, einen Zugang zum Kapitalmarkt für GSS-Bonds.

Der erste Erfolg des Labels: Im Januar 2020 konnte die kurz vorher zertifizierte Clarion Housing Group £350m einwerben – zu einem für eine britische Wohnungsgesellschaft rekordverdächtig niedrigen Zins. Die 15 Jahre laufende, mit 1,88% verzinste Anlage war mit £1,3bn deutlich überzeichnet und erweckte großes Interesse bei Europäischen Investoren.

Mehr Informationen zum Certified Sustainable Housing-Label finden Sie unter: sustainable-housing.eu

Dr. Mathias Hain

Nach oben

3 FRAGEN AN ...

Prof. Dr. Thomas Beyerle

Managing Director
Catella Property Valuation GmbH

1. Larry Fink, Vorstandsvorsitzender von BlackRock, mahnt im Januar 2020 mehr Nachhaltigkeit an - wird das auch in unserer Branche zu einem veränderten Bewusstsein führen?

Ich denke ja. Das Thema ist nicht nur in aller Munde, es ist auf der Agenda angekommen. Gleichwohl ist es zwischen einer Bewusstseinsänderung und messbaren Ergebnissen ein langer Weg, der sich wahrscheinlich eher mäandermäßig entwickeln wird. Das heißt, das Ziel ist zwar durch politische Rahmenbedingungen, z. B. „2 Grad Ziel“ grundsätzlich definiert, über den Weg bzw. die Instrumente um es zu erreichen wird aber weiterhin gerungen. Da es auch keine Blaupause des Handelns gibt, gehen damit erst einmal gewaltige Investitionen (in der Kaufmannssprache „Kosten in €“) in Vorleistung, denen dann aber keine „Erträge in €“ kurz- bis mittelfristig gegenüberstehen. Operativ glaube ich allerdings, dass bis auf weiteres eher das sog. Negativscreening die Diskussion und das Handeln bestimmen wird. Im Fokus stehen dann Investitionen, welche nicht mehr getätigt werden sollen, müssen oder dürfen – je nach Ausgestaltung. Warum das eher eine negative Attitüde hat, bei einem eigentlich positiv bestem Szenario? Es gibt bisher kaum „nachhaltige“ Produkte (Autos, Immobilien, etc.) in ausreichender Menge. Diese Marktenge führt zu einem Preisaufschlag und damit bleiben viele am Markt weg, welche eigentlich den Weg beschreiten wollen. Subventionen wären ein Weg, oder eben doch ein „green premium“ also die ökonomische Darstellung, so dass „es sich rechnet.“

2. Wissen die Unternehmen, speziell in unserer Branche, wie sie Nachhaltigkeitskriterien definieren und messen können?

In der Summe ja. Hier hat der ZIA, DNK oder auch DGNB nicht nur gute Vorarbeit geleistet, sondern auch eine Plattform geschaffen. Wer sucht, der wird finden. Die sich jeweils engagierenden Mitgliedsunternehmen sind sicherlich die Speerspitze der Entwicklung. Das Problem sehe ich aber bei der Vielzahl der sog. KMU, also der kleinen, mittleren (Immobilien)unternehmen bis 249 Mitarbeiter & <50 Mio. Jahresumsatz, welche quantitativ den größten Teil des deutschen Immobilienkuchens ausmachen. Diese sind oftmals im Tagesgeschäft nicht in der Lage hier anzusetzen, gerade weil „Nachhaltigkeit“ eben kein Produkt ist, sondern ein Prozess, also letztlich endlos. Auch muss erwähnt werden, dass der Druck seitens des Marktes bzw. der Kunden noch nicht sehr ausgeprägt ist. Hinzu kommt, dass es ja auch Moden gibt, von CSR zu ESG aktuell, scheint viele eher zu irritieren denn zu helfen. Diese Gemengelage führt in der Konsequenz dazu, dass Unternehmen sich die sog. „low hanging fruits“ herauspicken und diese reporten. Wer will es denn verdenken, dass es sich dabei zumeist um das sogenannte „S“ handelt, also social. Damit wird den Mitarbeitern und dem Markt dokumentiert, dass etwas getan wird. Die Ökonomie und Ökologie gerät dabei ins Hintertreffen.

3. Wird sich der Banken-, und Finanzierungssektor hinsichtlich seiner Bewertung von Investments verändern?

Ich denke erst einmal nein. Zwar finden wir etliche Statements zu diesem Thema, werden mittlerweile wöchentlich sog. Green Bonds begeben, doch zwei Dinge spielen hier eine wichtige strukturelle Rolle: zum einen sind wir weiterhin in einem fantastischen Marktumfeld, so dass der Änderungsdruck hier noch nicht ausgeprägt ist. Zum anderen steht der Sektor in einem starken Wettbewerb untereinander bzw. zunehmend durch neue Player wie (Crowd)Finanzierungsplattformen. Differenzierung durch Nachhaltigkeit ist aktuell mehr Werbeversprechen, denn Markt. Auch droht mit Basel 4 in 2021 eine weitere Verschärfung der EK Unterlegung, heißt die Geschäftsmodelle der Banken geraten zunehmend unter Druck. Die EU Taxonomie wirft auch ihre regulatorischen Schatten auf die Institute. Allerdings bin ich zutiefst davon überzeugt, dass es eine breite Bewegung geben wird, sobald sich einige Institute beginnen vom Markt messbar abzusetzen. Einfacher formuliert: sobald damit Geld verdient werden kann.

Nach oben

AKTUELLE ZIA-VERANSTALTUNGEN

Nach oben